Joh 17,1-11

Von Wort und Verherrlichung

Impuls zu Joh 17,1-11a

Wir Menschen besitzen die Fähigkeit zu sprechen. Das unterscheidet uns von vielen anderen Geschöpfen. Sprache ist unserer wichtigsten Kommunikationsmittel. Mit ihr können wir uns mit unseren Mitmenschen verständigen, unsere Gedanken und Gefühle ausdrücken und unsere Zukunftsvisionen in Worte fassen.

Aber Sprache kann noch mehr. Wir können direkt durch Sprache handeln: Wenn wir ein Versprechen geben, dann handeln wir durch Worte. Mit den Worten „Ich verspreche Dir ...“ meinen wir (hoffentlich) nicht nur genau das, was wir sagen. Sondern in genau dem Augenblick des Aussprechens vollziehen wir eine bewusste Handlung. Indem ich sage („ich verspreche“), handle ich (indem ich verspreche).

Nicht jedes Sprechen ist gleichzeitig Handeln. Man kann sich den Unterschied klarmachen, wenn man sich folgende Situation vorstellt: Sie sitzen mit eine*m Lieblingsmenschen am Frühstückstisch und sagen: „Die rote Tasse, die neben den Brötchen steht, ist meine Lieblingstasse.“ Mit diesen Worten beschreiben Sie etwas: Die Tasse ist rot. Es gibt Brötchen. Die Tasse steht an einer bestimmten raum-zeitlichen Koordinate. Die Tasse hat einen bestimmten Wert für Sie. Aber indem Sie die Worte sagen, handeln Sie nicht durch diese Worte. Sie charakterisieren nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit.

Im heutigen Evangelium ist von „Worten“ die Rede. Bei Johannes, dem Autor des Evangeliums, hat der Begriff „Wort“ eine etwas andere Bedeutung als bei uns. Johannes bezeichnet Jesus als „das Wort Gottes“. Jesus und Gott sind wesenhaft eins. Gott offenbart sich durch sein Wort (= Jesus) in der Welt. Das heißt, er macht sich sichtbar und erfahrbar. Durch alles, was Jesus auf der Erde vorgelebt und verkündet hat, ist anfanghaft erkennbar, wie das Wesen Gottes ist.
Es gibt noch eine zweite Bedeutung des Begriffes „Wort“ im heutigen Text. Wenn Jesus davon spricht, dass wir Menschen das Wort angenommen haben, will er damit ausdrücken, dass wir Menschen ihn als Sohn Gottes (an)erkannt haben und glauben.
Gleichzeitig schwingt darin mit, dass wir selbst als Glaubende das Wort Gottes in dieser Welt verkünden können. Wir können selbst zu Worten werden. Als Glaubende können wir – mit allen unseren menschlichen Grenzen – versuchen in dieser Welt authentisch zu sein. Ähnlich wie ein Versprechen. (AS)

Wir wohnen

Wort an Wort

Sag mir

dein liebstes

Freund

meines heißt

DU

(Rose Ausländer)

Evangelium: Joh 17,1-11a

Dies sprach Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sagte:

Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war! Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.

Impuls

Verherrlichung ist ein Begriff, den wir im Alltag selten verwenden. Wenn er verwendet wird, dann entweder im Zusammenhang mit Glaube und Religion (wie im Text des Evangeliums) oder im Kontext von Fans oder Groupies, die ihr menschliches Idol unangemessen überidealisieren. Leider kommt es vor, dass sich beide Sphären vermengen. Im Kontext von Religion werden Menschen, weil sie eine bestimmt Eigenschaft aufweisen (besonders charismatisch erscheinen oder geweiht sind usw.) unangemessen überidealisiert. Das kann sich sprachlich ausdrücken, oder durch eine besonders devote Haltung. Unser modernes Verständnis von Kirche ist jedoch ganz nah bei diesem Evangelium: Verherrlichung kann nur von Gott ausgehen, denn nur Gott ist heilig. Und sie kommt zudem Jesus zu, weil Gott und Jesus, wie wir oben gehört haben, wesenhaft eins sind. Wir Menschen (unterschiedslos und gleichberechtigt) können diese Verherrlichung Gottes und Jesu und des Heiligen Geistes nur durch authentischen Glauben bezeugen. (AS)

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